Marielle und Mike von beziehungs-investoren.de zeigen, dass die Themen Geld und Beziehung sehr gut zusammenpassen. Ich hab die Beiden mal zu den Themen Hochzeit, Geld und Beziehung ausgefragt.

Bitte stellt euch zu Beginn den Leserinnen kurz vor.

Wir heißen Marielle & Mike und betreiben zusammen den Blog Beziehungs-Investoren und die besten Finanzbücher.

Marielle ist Betriebswirtin und arbeitet als Personalentwicklerin in einer Unternehmensberatung, Mike ist Psychologe und arbeitet in einer Grundschule in der Kinderbetreuung, unterstützt den Unterricht und organisiert die Ferienbetreuung des Horts.

Kennengelernt haben wir uns 2010 mit 17 und 23 Jahren – wie alt wir heute sind, kannst du also selbst ausrechnen. Seit Juni 2017 tragen wir auch denselben Nachnamen, nachdem wir eine wunderschöne Hochzeit gefeiert haben.

Ihr habt den Blog beziehungs-investoren.de gegründet. Was war der Auslöser dafür und über welche Themen bloggt ihr?

Den Blog haben wir im August 2016 gestartet. Davor haben wir selbst viele Blogs gelesen – Mike immer mehr Finanzblogs, Marielle mehr Lifestyle und Familienblogs. Marielle sagte im Februar 2016, dass sie auch einen Blog haben will – und dann hat Mike nicht mehr locker gelassen.

Gemeinsam haben wir überlegt, worüber wir schreiben möchten und haben schnell die perfekte Nische für uns gefunden: Beziehung und Geld/Investitionen. So war auch der Name zügig gefunden und wenige Wochen nach der Idee gingen wir mit den ersten Beiträgen online.

Inzwischen schreiben wir über alles, was mit diesen beiden Themenbereichen zusammenhängt. Das Beste (und auch das, was uns am meisten Spaß macht) sind die Artikel, die die beiden Themenbereiche verknüpfen und dir helfen, wie du in deiner Beziehung besser mit Geld umgehen und sogar in eure Beziehung investieren kannst.

Ihr habt vor kurzem geheiratet. Eine Hochzeit kostet auch jede Menge Geld. Manche geben hier bis zu 15.000 € oder mehr aus. Wie sah das bei euch aus? Hattet ihr ein Budget, wie hoch war es und habt ihr es eingehalten?

Oh ja! Hochzeiten, haben wir gelernt, kennen keine Preisgrenze nach oben. Während der Planungen haben wir alles zwischen 1.200 € und 500.000 € gehört. Das ist wirklich eine wahnsinnige Industrie! Wir haben uns zu Beginn einmal 5.000 € als Budget gesetzt.

Mit der Erkenntnis, dass wir doch viele Menschen dabei haben möchten und auf die eine oder andere Sache (ein tolles Hochzeitskleid, gutes Essen und Luftballons) nicht verzichten wollten, haben wir dieses noch einmal verdoppelt.

Am Ende hat dieser Betrag ausgereicht – wir haben allerdings auch sehr viel selbst gemacht. Beispielsweise haben viele unserer Gäste einen Kuchen zum Kuchenbuffett am Nachmittag beigesteuert oder Mike´s Vater hat sich als unser Hochzeitsfotograf angeboten.

Durch solche Glücksfälle sind wir am Ende sogar eine gute Ecke unter den 10.000 € geblieben und freuen uns, dass wir jetzt etwas mehr in unsere, im Dezember anstehenden, Flitterwochen in Australien & Neuseeland investieren können.

Wo kann man eurer Meinung nach bei einer Hochzeit jede Menge Geld sparen?

Wie gerade schon angesprochen, kann man am meisten durchs selber machen sparen. Vieles lässt sich auch wunderbar lange vor dem großen Tag vorbereiten (Deko, Partyspiele, etc.).

Außerdem bieten zu solchen Feiern Freunde und Bekannte ihre Hilffe an – dies haben wir meist sofort angenommen und bedanken uns jetzt im Nachhinein bei einigen Unterstützern mit einem “Helferfest”.

Deutlich günstiger, als alle Kuchen vom Bäcker zu kaufen oder den Aufbau am großen Tag einem Profi überlassen zu müssen. Aus unserer Sicht ist es auch wichtig, dass ihr euch fragt, was euch wirklich wichtig ist und welche Dinge ihr eigentlich nur plant, weil “man das halt so macht”.

Da wir eine BBQ-Feier im Freien veranstalteten, wir selbst ohnehin gar keine Partymenschen oder Tänzer sind und auch ein Großteil unserer Gäste Wert auf gemütliches Beisammensein gelegt hat, hat es zu unserer Feier genauso am besten gepasst – und uns nebenbei eine Stange Geld gespart!

Bei euch sind es vielleicht die besonders teuren Blumen, wie bei uns der Hochzeitsfotograf, oder aber Kleinigkeiten wie Gastgeschenke oder ein außergewöhnliches Brautauto, bei denen ihr entscheidetet, dass sie euch schnurzpiepegal sind.

Wie organisiert ihr eure Finanzen in der Ehe?

Wir organsieren sie wie vor der Ehe: Wir haben ein Drei-Konten-System. Marielle hat ihr Konto, Mike hat sein Konto und wir haben ein gemeinames. Auf dieses überweisen wir monatlich einen festgelegten Betrag, der unsere Lebenshaltungskosten sowie gemeinsames Essen gehen oder gemeinsame Ausflüge abdeckt.

Da wir alles andere auf unsere separaten Konten behalten, ist das gemeinsame Konto am Monatsende meist leer. Ersparnisse bauen wir weiterhin getrennt auf. In ETF´s investieren wir unterschiedlich hohe Beträge in getrennten Depots für unsere Altersvorsorge.

Seit einigen Jahren haben wir ein gemeinsames Depot. Hier kaufen wir gemeinsam Aktien (und verkaufen sie nach einiger Zeit, die meist 1-5 Jahre beträgt) auch wieder. Auch hier haben wir anhand einer Excel-Tabelle dokumentiert, wer welchen Anteil eingezahlt hat und verteilen Gewinne und Dividendeneinnahmen entsprechend dieses Verhältnisses. Neu seit unserer Hochzeit ist ein zusätzliches gemeinsames Tagesgeldkonto.

Hier bauen wir zukünftig Ersparnisse für gemeinsame Familienanschaffungen auf – Möbel, Nachzahlungen oder was sonst unerwartetes auf uns zukommen könnte, das wir 50:50 begleichen möchten.

Jeder von uns überweist auf dieses Konto monatlich 10% seiner Einnahmen. Dies bedeutet, dass die Beträge nicht exakt gleich hoch sind. Alles was von diesem Konto bezahlt werden wird, soll uns jedoch 50:50 gehören.

So können wir unabhängig vom aktuellen Verdienst jederzeit sicherstellen, dass gemeinsame Anschaffungen auch gemeinsam, aber dennoch fair verteilt, finanziert werden können.

Unser Umgang mit Geld wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln und unserer Lebenssituation anpassen.

Welche finanziellen Vor-/Nachteile gibt es in der Ehe? Und macht ein Ehevertrag Sinn?

Marielle war es wichtig, dass wir einmal alle denselben Nachnamen tragen, wenn wir Kinder haben werden – das ist jetzt kein wirklich finanzieller Grund. Kann es aber werden, wenn man ständig Geld für neue Dokumente, für Vaterschaftsnachweise oder Formulare ausgeben muss aufgrund unterschiedlicher Nachnamen.

Viel wichtiger: Im Falle, dass einer von uns einen Unfall hat oder ihm etwas zustößt, sind die gegenseitigen Rechte als Ehepaar viel besser. Da wir uns gegenseitig vertrauen und wissen, der andere würde in einer solchen Situation im Sinne des anderen handeln, ist dies für uns der entscheidende Vorteil für uns als Ehepaar.

Das gilt auch für den Zugang zu den individuellen Depots und fürs Erben! Hier werden Ehepartner klar bevorteilt gegenüber unverheirateten Paaren.

Nachteile sehen wir vorallem im Falle einer Trennung. Als unverheiratets Paar geht man eben doch leichter wieder auseinander bzw. die Verletzung wird seltener finanziell ausgefochten. Allerdings ändert sich das wohl auch wieder, sobald Kinder im Spiel sind.

Da wir ohnehin gemeinsame Kinder möchten und zudem nicht davon ausgehen, dass wir im Falle einer Trennung Rosenkrieg-Charaktere sind, war der Nachteil für uns also eher irrelevant. Mit der Frage, ob ein Ehevertrag sinnvoll ist, haben wir uns lange beschäftigt.

Wir sind uns einig, dass es in jedem Fall Sinn macht darüber zu diskutieren und die von beiden Seiten gewünschten Inhalte zu diskutieren und eine gemeinsame Lösung zu finden. Wir haben das ausführlich getan – der Input, den wir dokumentieren wollen, steht. Da wir vor der Hochzeit und auch jetzt direkt danach zu viel anderes zu tun hatten, haben wir ihn noch nicht offiziell gemacht.

Wir werden dies jedoch bis Jahresende nachholen. Manche Dinge – gerade bei unterschiedlichem Vermögen, Unternehmen die im Spiel sind oder auch für Unterhaltsvereinbarungen ist es wichtig, dass die Dinge im Guten geregelt werden.

Wann habt ihr angefangen zu invstieren? In welche Produkte investiert ihr?

Marielle investiert seit sie 18 Jahre jung ist an der Börse. Mike seit er 25 Jahre alt ist. Wir beide kaufen ETFs für unsere Altersvorsorge und handeln zusätzlich – inzwischen meist gemeinsam – Einzelwerte, die wir anhand unserer eigenen Strategie basierend auf der Levermann Strategie auswählen. Diese halten wir eher mittelfristig (1-5 Jahre), die ETFs langfristig. Marielle investiert daneben noch in eine Riesterrente.

Ob du ihre Riesterrente und einen Bausparvertrag als Investition sehen magst, kannst du selbst entscheiden. Wir planen außerdem eine eigene Immobilie zur Kapitalanlage zu erwerben – suchen hier allerdings noch nach dem passenden Objekt.

Sobald wir eine finden (dies ist im Rhein-Main-Gebiet derzeit mehr als schwierig) freuen wir uns, wenn wir hier zuschlagen können.

Was sind eure 5 Tipps, damit Geld in Beziehungen nicht zum Streitthema wird.

Eigentlich braucht es keine 5 Tipps, sondern nur einen:

Offene und faire Kommunikation.

Und dieser Tipp gilt auch für alle Bereiche außerhalb vom Geld in einer Beziehung. Zum Streit kommt es immer aufgrund von Heimlichkeiten, unausgesprochenen Erwartungen, falschen Interpretationen des Verhaltens des Partners oder zweideutige Aussagen.

Daher ist es aus unserer Sicht, das Allerwichtigste – deutlich vor Treue, Vertrauen, Loyalität etc. – dass ihr offen und fair miteinander kommuniziert. Gebt dem anderen die Chance, sein Verhalten, seine Wünsche oder Erwartungen zu erklären und bemüht euch ihn zu verstehen.

Besprecht alles miteinander und bleibt dabei sachlich und respektvoll. Alles andere (Treue, Vertrauen, Loyalität, etc.) kommt dann ganz automatisch. Und Streit um´s Geld muss es bei geklärten Fronten und Offenheit nie geben.

Nochmal zu euch: Was sind eure Ziele für die Zukunft? Was möchtet ihr in Zukunft mit eurem Blog erreichen?

Im August haben wir, ziemlich genau zum ersten Blog-Geburtstag, die besten Finanzbücher gelaunched. In den nächsten Monaten möchten wir diese Seite weiter ausbauen und dazu einen Podcast ins Leben rufen.

Mit dem Beziehungs-Investoren-Blog wollen wir darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, als Paar über Geld zu sprechen und das Geld in Beziehungen kein Tabu-Thema mehr ist. Wir möchten mit dem Blog weiterhin dazu beitragen, dass Geld in Beziehungen sich nicht kanibalisieren, sondern in einem Atemzug miteinander genannt werden können.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit eurem Blog.