Zeit ist Geld. Wenn du mit dem Vermögensaufbau beginnst, kannst du Zeit zu Geld machen, indem du den Zinseszinseffekt für dich nutzt.

Beim Vermögensaufbau kommst du um den Zinseszinseffekt nicht herum. Denn er ist die Rakete wenn es um die Vermehrung deines Geldes geht.

Was genau ist der Zinseszins?

Auf dein angelegtes Kapital erhältst du Zinsen, die dir jedes Jahr gutgeschrieben werden. Nun entnimmst du diese Zinsen nicht, sondern lässt sie zusammen mit dem ursprünglich investierten Kapital für dich weiterarbeiten.

Im daraufolgenden Jahr erhältst du nicht nur Zinsen auf dein angelegtes Kapital, sondern auch auf deine Zinsen. Du bekommst also auch Zinsen von den Zinsen.

Dadurch steigt dein Vermögen immer schneller an (exponentiell). Du bekommst somit jedes Jahr mehr Zinsen als im Jahr davor. Beispiel: Du investierst 10.000 € und erhältst dafür 4% Rendite. Im ersten Jahr sind das 400 €. Diese werden deinem Anfangskapital von 10.000 € hinzugerechnet.

Im zweiten Jahr werden die 4% Rendite von 10.400 € berechnet und du bekommst bereits 416 €. Diese werden dir wieder gutgeschrieben. Im nächsten Jahr wird die Rendite schon von 10.816 € berechnet. Und so weiter…

Beachten solltest du auch, dass der Zinseszins nicht nur für Guthaben berechnet wird, sondern auch für deine Schulden. Wenn du nun zahlungsunfähig bist, kann der Schuldenberg durch den Zinseszins rasch ansteigen.

Die Faktoren des Zinseszins

Damit der Zinseszins seine volle Wirkung entfalten kann, sind folgende drei Faktoren wichtig:

Die Zeit

Je länger du für den Vermögensaufbau Zeit hast, desto besser. Denn mit jedem Jahr steigt der Betrag deiner Zinsen.

Wenn du der Sache mehr Zeit gibst, kann sich der Effekt noch besser entfalten. Deshalb kann man auch mit kleinen Beträgen über viele Jahre ein Vermögen aufbauen. Um die Wirkung der Zeit zu verdeutlichen, hier ein Beispiel.

Der Einfachheit halber werden in allen Beispielen Steuern, Gebühren und Inflation außer Acht gelassen und die Beträge sind immer auf ganze Zahlen gerundet.

Beispiel: Du legst einmalig 10.000 € mit 4% Rendite an. Wieviel Geld wird daraus nach 20, 30 und 40 Jahren?

Nach 20 Jahren sind daraus 21.911 €, nach 30 Jahren 32.434 € und nach 40 Jahren 48.010 € geworden.

Legst du mit 20 Jahren 10.000 € mit 4% Rendite an, hast du nach 40 Jahren bereits eine Summe von 48.010 € angespart. Fängst du dagegen erst mit 40 Jahren an, Geld zu investieren hast du nicht mehr so lange Zeit, den Zinseszins für dich arbeiten zu lassen.

An deinem 60. Geburtstag hast du nach 20 Jahren 21.911 €, also über 26.000 € weniger, als wenn du bereits mit 20 Jahren angefangen hättest.

Dies erklärt, warum du bereits in jungen Jahren mit dem Vermögensaufbau beginnen solltest.

Die Rendite

Der zweite wichtige Faktor ist die Rendite. Je mehr Rendite du bekommst, desto schneller vermehrt sich dein Geld. Auch hier hilft wieder ein Beispiel, um die Auswirkung nach vielen Jahren zu verdeutlichen.

Beispiel: Wieder gehen wir von 10.000 € aus. Einmal wird das Kapital auf ein Sparbuch mit 0,15 % Verzinsung gelegt. Ein weiteres Mal wird der Betrag in Aktien mit 6% Rendite investiert.

Wieviel Endkapital ergibt sich nach 30 Jahren?

Endkapital bei 0,15% Verzinsung: 10.460 € – also 460 € an Zinsen

Endkapital bei 6% Verzinsung: 57.435 € – also 47.435 € an Zinsen

Dies ist der Grund, warum du dein Geld nicht auf dem Sparbuch liegen lassen solltest, sondern investieren ein Muss ist, wenn du dein Geld vermehren willst.

Der Einsatz

Der dritte Faktor ist das Kapital, das investiert wird. Je mehr man in jungen Jahren investieren kann, desto höhere Zinserträge erhält man darauf und umso schneller wächst das Vermögen.

Bei oben genannten Beispielen wurde immer eine einmalige Einzahlung angenommen. Was aber, wenn nichts gespart wurde und monatlich nur ein kleiner Teil zum Investieren übrig bleibt.

Viele denken, dass es nichts bringt, kleine Beträge zu investieren. Diese Annahme ist jedoch komplett falsch, wenn man den Zinseszins verstanden hat.

Gerade in jungen Jahren haben die wenigsten große Summen an Geld übrig, welche sie investieren können. Man kann aber auch monatlich kleine Beträge anlegen. Hier kommt einem wieder der Faktor Zeit zugute.

Beispiel: Du möchtest mit 60 Jahren ein Vermögen von 500.000 € haben. Wieviel musst du monatlich sparen um diese Ziel zu erreichen, wenn du mit 20,30 oder mit 40 Jahren anfängst? Wir gehen von 4% Rendite aus.

Wenn du im Alter von 20 Jahren anfängst auf dein Ziel hinzuarbeiten, musst du monatlich 429 € sparen.

Mit 30 Jahren musst du bereits 727 € investieren um am Ende auf die 500.000 zu kommen. Du musst hier also 261.781 € mehr investieren, als wenn du mit 20 angefangen hättest.

Fängst du dagegen erst mit 40 Jahren an, musst du monatlich bereits 1.370 € sparen, um dein Ziel zu erreichen. Die fehlende Zeit wirkt sich hier erheblich auf den Zinseszins aus.

Was passiert, wenn du deine Zinserträge entnimmst?

Wenn du jedes Jahr die Zinsen auf dein angspartes Kapital entnimmst, wirkt sich dies fatal auf deine Vermögensbildung aus. Als Beispiel nehmen wir die Zwillinge Max und Maria.

Beide erhalten zu ihrem 20.Geburtstag 10.000 € unter der Bedingung, diese zu investieren. Max investiert das Geld in Aktien und erhält 6% Rendite. Diese wird jährlich als Dividende ausgeschüttet.

Max bekommt somit jährlich 600 €, die er jedoch nicht reinvestiert, sondern für die schönen Dinge im Leben ausgibt.

Seine Zwillingsschwester Maria legt die 10.000 € ebenfalls zu 6% Rendite an. Die jährlich ausgeschüttete Dividende gibt sie aber nicht aus, sondern investiert diese wieder, um die volle Wirkung des Zinseszinses zu nutzen.

Nach 20 Jahren hat Max 12.000 € and Dividenden erhalten, was schon ein schöner Betrag ist.

Marias Vermögen ist dagegen nach 20 Jahren bereits auf 32.071  € angewachsen. Sie hat somit ihr Anfangskapital um mehr als 22.000 € erhöht im Vergleich zu Max.

Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich wie sich der Zinseszins auswirkt, wenn man Zeit, Rendite und Einsatz berücksichtigt.

Wie du den Zinseszins im Kopf berechnest

Es gibt eine einfache Formel, mit der du dir ausrechnen kannst, in wieviel Jahren sich dein investiertes Kapital verdoppelt. Dazu dividierst du die Zahl 72 durch die Rendite und du erhältst die Anzahl der Jahre, die es braucht, damit sich dein Kapital verdoppelt.

72: Zinssatz in Prozent = Anzahl der Jahre, in denen sich dein Kapital verdoppelt.

Wenn du beispielsweise 6 Prozent Rendite bekommst, dauert es 12 Jahre, bis sich dein Kapital verdoppelt.

Der Zinseszins hat also enorme Auswirkungen auf deinen Vermögensaufbau.

Also mache ihn dir zunutze und vermehre dein Geld, anstatt es auf dem Sparbuch weniger werden zu lassen. Hast du einmal möglichst früh einen ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Index aufgesetzt, musst du ihn im Prinzip nur noch laufen lassen.

Danach ist Nichtstun angesagt, denn die Zeit und er Zinseszins erledigen den Rest.