Du bist so verschwenderisch“. „Sei doch nicht so geizig“.  „Du wirfst unser ganzes Geld zum Fenster raus“. Solche Sätze kennt wohl jeder, der mit dem Partner schon mal über Geld gestritten hat.

Geld ist in vielen Partnerschaften der Trennungsgrund Nummer eins. Bei Streitigkeiten ums Geld geht es selten um Fakten, vielmehr um Gefühle und Glaubenssätze, die jeder Einzelne zum Thema Geld hat.

Geld und Emotionen

In diesem Beitrag gehe ich auf die inneren, emotionalen Hindernisse ein. Auf die Gedanken und Gefühle, die zu einer inneren Blockade führen und für unsere finanzielle Situation verantwortlich sind.

Um Streitigkeiten ums Geld zu vermeiden, müsst ihr euch als Paar Zeit nehmen, um den Blickwinkel zu verändern und euren Aussagen auf den Grund gehen.

Denn hinter Aussagen wie „Du bist so verschwenderisch“, stecken oft Emotionen, die wir zum Thema Geld schon lange in uns tragen und bei Streitigkeiten ums Geld zum Vorschein kommen.

Wollt ihr eure finanzielle Situation verändern, müsst ihr euch auch mit euren Emotionen zum Thema Finanzen auseinandersetzen.

Diese negativen Gefühle sind oftmals noch von unserer Kindheit. Sie beeinflussen unsere Gedanken, Worte und Handlungen.

Jede finanzielle Situation wird von unseren Gefühlen bestimmt. Deine Gefühle entscheiden, was du mit deinem Geld machst.

Es sind auch deine Gefühle, die dich in deine derzeitige finanzielle Situation gebracht haben. Jeder kennt wahrscheinlich diese typischen Frustkäufe.

Weil man die geplante Gehalterhöhung nicht bekommen hat, kauft man sich aus lauter Wut und Frust ein neues Handy. Hier hast du emotional gehandelt.

Oder du erzählst deinem Partner nichts von deinen Schulden, weil es dir peinlich ist, dass du schlecht mit Geld umgehst und jede Menge Konsumschulden angehäuft hast.

Wenns um´s Geld geht, sind oft negative Emotionen wie Angst, Wut und Scham mit im Spiel

Welche Rolle Geld und Emotionen in eurer Vergangenheit dabei gespielt haben, könnt ihr mit Hilfe dieser Übung herausfinden.

Übung 1:

Diese Übung macht jeder für sich alleine. Um an den Kern der Gefühle zu gelangen, denkt darüber nach, wie ihr euch aufgrund eurer derzeitigen finanziellen Lage fühlt.

  • Hast du das Gefühl, nicht gut genug zu sein?
  • Glaubst du, dass du das, was du hast, nicht verdienst?
  • Bist du  neidisch auf deinen Partner oder auf andere, weil sie sich Dinge leisten können, die du dir nicht leisten kannst?
  • Hast du nicht genug Geld, um deine Rechnungen zu bezahlen?
  • Wie fühlst du dich, wenn du mit deinem Partner wegen Geld streitest?
  • Wie fühlst du dich, aufgrund deiner/eurer Schulden?
  • Ist es dir peinlich, viel Geld zu haben?

Schreibt nun auf, wie ihr euch in eurer momentanen finanziellen Situation fühlt. Schreibt erstmal alles nieder, was euch dazu einfällt. Fast anschließend alles in ein paar Sätzen zusammen.

Beispiel: Wie fühlst du dich aufgrund deiner Schulden? Ich schäme (Scham) mich dafür. Es ist mir peinlich (Scham), wenn jemand davon erfahren würde. Ich habe Angst (Angst), das ich die Schulden nicht zurückzahlen kann. Ich bin so wütend (Wut), weil wir uns in diese Situation gebracht haben.

Liest euch eure Sätze nochmal durch. Eure momentan Gefühlslage beeinflusst auch eure zukünftigen Handlungen. Es zeigt euch eure Gefühle im Hinblick auf Geld. Unterstreicht nun alle Wörter, die eure Gefühlslage beschreiben.

Teilt diese Wörter einem der drei Gefühle zu: Angst, Wut und Scham.

Scham. Angst. Wut.  – Drei Emotionen, die über euer Geldverhalten entscheiden.

Mit Geld ist es wie mit Menschen. Habt ihr Macht und Anerkennung gegenüber euch selbst, euren Mitmenschen und dem Geld gegenüber, zieht ihr auch Reichtum an.

Wenn ihr euch aber machtlos fühlt und vor euch selbst und dem Geld gegenüber keine Anerkennung zeigt, wird Geld nicht in euer Leben kommen, weil ihr es abstoßt.

Geld verhält sich so wie ein Mensch. Wenn ihr Geld achtet und ihm Aufmerksamkeit schenkt, wird es zu euch kommen. Aber Angst, Scham und Wut berauben euch dieser Macht übers Geld.

Die Wurzeln dieser Emotionen liegen bei vielen in der Kindheit. Wenn ihr diese Gefühle ignoriert, gewinnen diese Emotionen die Macht über eure Gedanken, Worte und Handlungen.

Wut, Scham und Angst sind die Gefühle der Armut. Solange ihr so gegenüber Geld empfindet, seid ihr machtlos. Und wer Machtlosigkeit empfindet, wird auch keine Macht haben, Geld in sein Leben zu ziehen.

Scham

Scham ist das tiefste Gefühl überhaupt. Scham ist etwas, dass man sehr schwer wieder vergisst. Ich bin nicht genug. Ich verdiene das nicht, was ich habe.

Scham zerstört euren Selbstwert und eure Selbstachtung. Das führt dazu, dass ihr arm bleibt.

Beispiel: Du hast dich als Kind geschämt, weil deine Familie weniger Geld hatte als andere Familien und du die Kleidung deiner älteren Geschwister tragen musstest, anstatt neue Kleidung zu bekommen.

Vielleicht konntest du dir aber auch kein Eis kaufen, währen alle anderen Kinder es sich leisten konnten und du hast dich dafür geschämt.

Angst

Wenn ihr ständig Angst habt, das Geld könnte nicht reichen, sorgt ihr auch immer dafür , dass zu wenig davon da ist, indem ihr es verschwendet. Oder aber ihr werdet zum Geizhals und klammert euch an das Geld.

Ihr könnt euch an nichts erfreuen, weil ihr Angst habe, dass dadurch in Zukunft zu wenig davon da ist.

Beispiel: Als Kind hast du mitbekommen, dass in eurer Familie immer zu wenig Geld da war. Deine Eltern hatten ständig Geldsorgen. Du hast Angst, dass auch du zu wenig Geld hast und gibst kein Geld aus.

Wut

Bist du wütend, weil du zu viel Geld für etwas ausgegeben hast? Bist du auf deinen Chef wütend, weil du keine Gehaltserhöhung bekommen hast?

Beispiel: Als du ein Kind warst, hat dir das reiche Nachbarskind dein Tagebuch geklaut. Für dich war dieses Tagebuch sehr wertvoll, da du darin all deine Gedanken aufgeschrieben hast.

Du bist so wütend auf dieses reiche Kind. Du glaubst nun, dass dir die Reichen alles wegnehmen, was du besitzt und hortest dein wertvolles Geld.

Solange euch diese drei Emotionen steuern, handelt ihr gegen eure eigenen finanziellen Interessen. Ihr müsst euch also von diesen Gefühlen befreien.

Nur dann könnt ihr Entscheidungen zu eurem Vorteil treffen.

Übung 2:

Schritt 1: Diese Übung macht wieder jeder für sich alleine. Findet in der zweiten Übung heraus, woher eure Emotionen stammen. Nehmt dazu den Zettel aus Übung 1 zur Hand.

Schreibt auf, warum ihr diese Emotionen habt. Woher kommen diese Emotionen? Welches Ereignis in eurer Kindheit hat zu diesen heutigen Gefühlen geführt.

Fragt euch: Warum? Beispiel: Du schämst dich für deine Schulden. Woher kommt diese Scham? Hatten deine Eltern Geldprobleme für die sie sich geschämt haben und nicht wollten, dass es jemand erfährt?

Für diese Übung braucht ihr Zeit. Hinterfragt Situationen in eurer Kindheit und schreibt alle Erinnerungen auf.

Schritt 2: Wenn ihr wisst, woher Angst, Wut und Scham kommen, schreibt im zweiten Schritt auf, was ihr heute tut, um diese Emotionen am Leben zu erhalten.

Nehmt euch genug Zeit, so dass jeder für sich diese Übung machen kann und den Grund für sein Verhalten findet.

Beispiel: Ihr erzählt nicht mal eurem Partner von eurem Schuldenproblem, weil es euch peinlich ist. Gleichzeitig gebt ihr Geld aus, dass ihr nicht habt oder zur Rückzahlun für eure Schulden nehmen könntet, weil ihr den Schein waren wollt, dass es euch finanziell gut geht.

Ihr handelt immer noch aufgrund eurer Scham in euer Kindheit und macht eure Situation nur noch schlimmer  und eure Scham wird immer größer.

Wenn jedem klargeworden ist, woher sein Verhalten und seine Emotionen kommen, dann nehmt diese derzeitige Situation an.

Akzeptiert, dass ihr bisher aus Angst, Wut oder Scham gehandelt habt. Ihr habt Fehler gemacht? Jeder macht Fehler und das ist menschlich. Aus Fehlern kann man lernen. Ihr könnt eure finanzielle Situation ab jetzt ändern, indem ihr nicht mehr aus diesen negativen Emotionen heraus handelt.

Erst, wenn ihr eure Emotionen und eure derzeitige finanzielle Situation akzeptiert, könnt ihr euch vergeben und etwas ändern.

Übung 3

Jetzt, wo jeder für sich weiß, welche Emotionen hinter seinem Verhalten stecken, setzt euch mit dem Partner zusammen. Erzählt nun eurem Partner von euren Emotionen und Verhaltensweisen.

Hört dem Partner zu, urteilt nicht. Versucht zu verstehen, warum er geizig, verschwenderisch etc. ist. Habt Verständnis füreinander. Versetzt euch in den andern hinein. Ihr werdet den Partner besser verstehen und wissen, warum er so reagiert.

Seid ehrlich zueinander, vertraut euch eure Gefühle an. Diese Übung kann sehr aufschlussreich sein, wenn man dem Partner mit Respekt, Anerkennung und Wertschätzung begegnet, anstatt mit Wut, Angst und Scham.

Wenn ihr euch gegenseitig von euren Gefühlen erzählt habt, zieht gemeinsam einen Schlussstrich unter eure Vergangenheit.

Beschließt, dass ihr heute neu anfangt, an gemeinsamen Zielen arbeitet und ihr euch gegenseitig unterstützt und Verständnis aufbringt für diese Emotionen. Lasst eure Vergangenheit und eure negativen Emotionen gemeinsam los. Das macht es einfacher.

Übung 4:

Nehmt eure Zettel her, auf denen ihr eure Übungen gemacht habe, lest sie euch noch einmal vor und macht euch noch einmal all eure negativen Emotionen und Erfahrungen bewusst.

Anschließend verbrennt ihr eure Zettel. Macht ein gemeinsames Ritual daraus. Ihr könnt eure finanzielle Zukunft gemeinsam verändern, indem ihr gemeinsam daran arbeitet.

Mit dem Verständis für die Reaktionen des anderen ist es leichter, eine Lösung für finanzielle Probleme zu finden.

Wenn ihr Schulden habt, dann akzeptiert diese Situation. Akzeptiert eure Emotionen, die euch in diese Lage gebracht haben. Und dann sucht nach Lösungen. Es gibt viele Möglichkeiten.

Wenn ihr wieder über Geld streitet, fragt euch zuerst, welche Gefühle dahinterstecken und wo euch diese hingeführt haben. Akzeptiert diese Gefühle und lasst sie los.